Picknick im Labyrinth

Medien für die Begleitung von Menschen mit Demenz

Dieses Projekt liefert einen Beitrag für folgende Nachhaltigkeitsziele:

Büchereien helfen Menschen mit Demenz und ihrem Umfeld. Das mag zunächst ungewöhnlich klingen. Doch Büchereien sind mehr als Räume, in denen Bücher und andere Medien vorgehalten werden. Sie sind kulturelle und soziale Einrichtungen. Büchereien informieren und versorgen verschiedenste Zielgruppen in der Gesellschaft mit spezifischen Angeboten und Hilfestellungen.

Mit dem vom Sozialministerium des Landes geförderten Projekt „Picknick im Labyrinth – Medien für die Begleitung von Menschen mit Demenz“ und seinen Folgeprojekten reagiert die Büchereizentrale Schleswig-Holstein seit 2013 auf den demographischen Wandel mit einem Angebot speziell für die Begleitung von Demenzerkrankten.

Im aktuellen Positionspapier des Deutschen Kulturrats zur Agenda 2030 heißt es dazu: „Kunst und Kultur gehören zum Leben und schaffen Lebenszufriedenheit. Sie sprechen unterschiedliche Sinne an, wecken Emotionen und können heilende Wirkung entfalten. Ein gutes, würdevolles Leben und eine gesunde Psyche sind wichtige Gesundheitsfaktoren. Kulturelle Intensität ist Motor für die kreative Weiterentwicklung aller Sinne.“

Orientiert an einem ganzheitlichen Gesundheitsverständnis, bei dem Anregungen für alle Sinne sowie kulturelle und ästhetische Erfahrungen mit einem individuellen Bezug zu den jeweiligen Vorlieben und Bedürfnissen eines Menschen eine wichtige Rolle spielen, sind die Medienangebote für dieses Projekt z.T. gezielt entwickelt bzw. ausgewählt worden.

Entsprechend vielfältig zusammengestellte Medienboxen sind seither in ganz Schleswig-Holstein unterwegs. In ihnen befinden sich je ca. 20 Medien und Materialien, die bei der Begleitung von Menschen mit Demenz genutzt werden und den von der Krankheit Betroffenen eine kulturelle Teilhabe in Dörfern wie in Städten ermöglichen können. Zumindest in einzelnen Bereichen ergeben sich dabei Chancen für mehr Ausgleich und Gerechtigkeit beim Zugang zu kulturellen Angeboten und Erfahrungen.

Eine speziell entwickelte Handreichung vermittelt Praxis-Tipps für den Einsatz der Medien. Auch Fortbildungen gehörten in der Anfangsphase zum Angebot des Projekts. Vor allem Senioren- und Pflegeeinrichtungen leihen die Medienzusammenstellungen für je acht Wochen über ihre Bücherei vor Ort aus. In den Boxen finden sie neben einzelnen Fachbuchtiteln vor allem Medien, die gemeinsam mit den Erkrankten genutzt werden: Vom Vorlesebuch über großformatige Fotografien für das Kamishibai Erzähltheater und Gesellschaftsspiele bis hin zu speziellen Fühlbüchern für Erwachsene. Menschen mit Demenz werden so über verschiedene Sinne angesprochen. Auch Liedersammlungen für das gemeinsame Singen gehören dazu.

„Menschen mit Demenz tragen viele lebensgeschichtliche Schätze in sich und sind in ihrer individuellen Biografie geprägt von Erfahrungen mit Liedern, Filmen, Gedichten und Geschichten. Sie können ein Schlüssel sein, um zu entdecken, was für jeden Einzelnen Wohlbefinden und Geborgenheit bedeutet“, weiß Susanne Brandt, eine der Projektkoordinatorinnen in der Büchereizentrale Schleswig-Holstein.
Verschiedene Veranstaltungen, wie z.B. Ausstellungen mit Erinnerungsstoffen oder „Weckworte“-Workshops mit dem Berliner Slam-Poeten Lars Ruppel, zeigten zu Beginn des Projekts eindrucksvoll, wie die biografische Arbeit mit verschiedenen Medien und Materialien die Demenzerkrankten zumindest kurzfristig wach werden und am gemeinsamen Leben teilhaben lässt.

Bei der Auswahl der Medien erhielt das Lektorat der Büchereizentrale wertvolle Unterstützung vom Kompetenzzentrum Demenz in Schleswig-Holstein. Seit Beginn des Projekts sind die Kisten fast ständig unterwegs, werden regelmäßig gepflegt und aktualisiert und sind in den vergangenen Jahren bedarfsgerecht im Rahmen einer weiteren Landesförderung durch kleinere mobile Medientaschen unter dem Motto „Kleines Picknick im Labyrinth“ ergänzt und erweitert worden.


Durch diesen dauerhaften, laufend weiterentwickelten Einsatz der Medien im ganzen Land seit mehr als 5 Jahren zeigt auch das Projekt selbst seine nachhaltige Wirkung – weit über den eigentlichen Projektzeitraum hinaus.

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